Zwischen Nutri-Score und Werbeversprechen
Schüler:innen vergleichen Lebensmittelverpackungen im Unterricht und markieren, welche Informationen Orientierung geben – und welche vor allem Aufmerksamkeit erzeugen.
Was auf Lebensmittelverpackungen steht –
und was Schülerinnen und Schüler darin sehen
Ein Joghurt mit grüner Verpackung, ein Müsliriegel mit der Aufschrift „Fitness“, ein Getränk mit Früchten auf dem Etikett oder ein Proteinpudding aus dem Kühlregal: Viele Lebensmittel wirken auf den ersten Blick gesund, natürlich oder besonders ausgewogen. Oft entsteht dieser Eindruck bereits, bevor ein Blick auf die Zutatenliste oder die Nährwerttabelle fällt.
Lebensmittelverpackungen informieren nicht nur über ein Produkt. Sie vermitteln Botschaften. Farben, Begriffe, Bilder und Kennzeichnungen beeinflussen, wie Produkte wahrgenommen werden – ähnlich wie Werbung oder Inhalte in sozialen Medien. Genau deshalb kann die Auseinandersetzung mit Lebensmittelkennzeichnungen auch ein Thema für den Unterricht sein.
Denn Schülerinnen und Schüler begegnen diesen Botschaften täglich: im Supermarkt, auf Social Media, in Werbeanzeigen oder durch Influencerinnen und Influencer, die bestimmte Produkte präsentieren. Viele Begriffe wirken vertraut und positiv, obwohl ihre Bedeutung häufig unklar bleibt.
Wenn Verpackungen Erwartungen erzeugen

Zwischen Nutri-Score, Zutatenliste und Werbeversprechen: Im Unterricht wird sichtbar, wie unterschiedlich Verpackungen gelesen und bewertet werden können.

Verpackungen beeinflussen Kaufentscheidungen jeden Tag. Der Unterricht schafft Raum, Kennzeichnungen kritisch zu hinterfragen und eigene Kriterien zu entwickeln.
Ein Produkt mit grüner Farbgestaltung wird oft automatisch mit Nachhaltigkeit oder Gesundheit verbunden. Bilder von Früchten vermitteln Frische und Natürlichkeit. Begriffe wie „Fitness“, „High Protein“ oder „ohne Zuckerzusatz“ erzeugen zusätzliche Erwartungen. Dabei sagt die Gestaltung einer Verpackung nicht automatisch etwas über die tatsächliche Zusammensetzung eines Produkts aus.
Ein Fruchtjoghurt kann beispielsweise mit großen Erdbeeren auf der Verpackung beworben werden, obwohl der Fruchtanteil vergleichsweise gering ist. Proteinprodukte wirken oft sportlich und leistungsorientiert, enthalten aber teilweise ähnlich viel Zucker wie andere Desserts. Auch der Begriff „ohne Zuckerzusatz“ bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Produkt wenig Zucker enthält. Häufig steckt bereits durch Fruchtsaft oder andere Zutaten eine große Menge Zucker im Produkt.
Gerade diese Unterschiede zwischen Wahrnehmung und tatsächlichen Informationen können im Unterricht interessant werden.
Der Nutri-Score als Gesprächsanlass
Besonders sichtbar ist inzwischen der Nutri-Score. Die farbige Skala von A bis E soll Verbraucherinnen und Verbrauchern eine schnelle Orientierung ermöglichen. Für den Unterricht kann der Nutri-Score ein guter Einstieg sein, weil er leicht verständlich wirkt und gleichzeitig Diskussionen auslöst. Warum erhält ein Produkt ein „B“ und ein anderes nur ein „D“? Bedeutet ein gutes Ergebnis automatisch, dassein Lebensmittel „gesund“ ist? Und warum können sich Produkte derselben Kategorie deutlich unterscheiden? Dabei wird schnell deutlich: Der Nutri-Score vereinfacht komplexe Informationen.
Genau das macht ihn interessant. Schülerinnen und Schüler können lernen, Kennzeichnungen nicht einfach zu übernehmen, sondern kritisch zu hinterfragen.
Bio-Siegel und Vertrauen
Auch Bio-Siegel spielen in vielen Kaufentscheidungen eine Rolle. Begriffe wie „Bio“, „regional“ oder „natürlich“ werden oft mit Nachhaltigkeit und Qualität verbunden.
Im Unterricht kann daraus die Frage entstehen, wie Vertrauen überhaupt entsteht. Warum wirken manche Begriffe glaubwürdiger als andere? Welche Unterschiede gibt es zwischen verschiedenen Siegeln? Und welche Erwartungen verbinden Menschen mit ihnen?
Dabei geht es nicht darum, Produkte in „gut“ oder „schlecht“ einzuteilen. Spannender ist die Frage, wie Kennzeichnungen Orientierung schaffen und welche Wirkung sie auf Konsumentscheidungen haben.
Protein, Fitness und Social Media
Besonders präsent sind inzwischen Produkte mit Protein- oder Fitness-Claims. Proteinriegel, Proteinpuddings oder Energy-Drinks werden häufig über sportliche Bilder, starke Farben und Begriffe wie „Active“ oder „High Protein“ vermarktet. Viele Jugendliche begegnen solchen Produkten nicht zuerst im Supermarkt, sondern auf Plattformen wie Instagram oder TikTok. Dort werden Ernährungstrends oft mit
Fitness, Körperbildern und Leistungsfähigkeit verbunden.
Gerade deshalb kann die Analyse solcher Produkte auch Teil von Medienkompetenz sein. Schülerinnen und Schüler lernen dabei nicht nur etwas über Ernährung, sondern auch über Marketing, Sprache und visuelle Gestaltung.
Lebensmittelverpackungen als Teil der Medienwelt
Lebensmittelverpackungen wirken oft alltäglich und nebensächlich. Gleichzeitig sind sie Teil einer großen Medien- und Konsumwelt, die ständig Botschaften vermittelt. Im Unterricht kann die Auseinandersetzung damit helfen, genauer hinzuschauen:
• Welche Informationen sind tatsächlich relevant?
• Welche Begriffe wirken überzeugend, obwohl sie wenig aussagen?
• Wie beeinflussen Farben, Bilder und Sprache unsere Wahrnehmung?
• Und warum wirken manche Produkte gesünder, als sie eigentlich sind?
Solche Fragen verbinden Ernährung, Konsum, Medienkompetenz und nachhaltige Bildung auf eine sehr konkrete Weise. Statt nur über gesunde Ernährung zu sprechen, lernen Schülerinnen und Schüler dabei, Informationen zu vergleichen, Werbung zu hinterfragen und eigene Konsumentscheidungen bewusster wahrzunehmen.

