Wenn der Kiez zum Klassenzimmer wird
Ehrenamtliche vom Kiezverein Unser.Dorf.Lietzow am Grillstand. Foto: Culinary Kiosk
Es war kein Schulprojekt im klassischen Sinne. Es war ein Frühlingsfest im Caritas-Garten in Alt-Lietzow.
Nachbar:innen aus dem Kiez saßen zwischen Familien aus der Kita an den Tischen im Innenhof. Ehrenamtliche des Kiezvereins Unser Dorf Lietzow standen am Grill und am Pflanzenstand, Kinder liefen mit bemalten Gesichtern zwischen den Ständen umher, aus einer Ecke des Hofs spielte zunächst eine Leierkastenfrau, später blieb ein Teil der Besucher:innen bei der Live-Musik von Toni stehen. Und mittendrin: Schüler:innen der Evangelischen Schule Charlottenburg.
Zwischen 14 und 19 Uhr wurde der Innenhof zum Treffpunkt für den Stadtteil. Während vorne gegessen, geredet und Musik gehört wurde, liefen hinter den Ständen bereits die nächsten Vorbereitungen. Das Caritas-Team kümmerte sich um Kaffee, Getränke und Kuchenbuffet. Die Schüler:innen organisierten Crêpes und Limonade.

Frühlingsfest im Caritas-Garten in Alt-Lietzow. Foto: Culinary Kiosk

Pflanzenverkauf beim Frühlingsfest in Alt-Lietzow. Foto: Culinary Kiosk
Drei Schüler:innen arbeiteten gleichzeitig am Crêpes-Stand. Zwei Eisen liefen parallel. Vorne wurde verkauft, hinten neuer Teig vorbereitet. Dazu Wechselgeld, kurze Absprachen und schon die nächste Bestellung in der Warteschlange.
Der Teig war allerdings nicht erst an diesem Nachmittag Thema. Bereits Tage vorher wurde im Unterricht besprochen, wie viel vorbereitet werden muss, welche Zutaten gebraucht werden und wie die Abläufe funktionieren sollen. Nicht als Theorieübung, sondern weil klar war: Später werden echte Menschen davorstehen und auf ihr Essen warten.
Genau dadurch entstand etwas, das im normalen Unterricht schwer zu simulieren ist. Sobald sich eine Schlange bildet, verändert sich die Situation sofort. Entscheidungen müssen schnell getroffen, Aufgaben verteilt und Probleme direkt gelöst werden. Teamarbeit entsteht dann nicht mehr künstlich, sondern aus der Situation selbst.
Von außen wirkte es vielleicht einfach: ein Frühlingsfest im Kiez mit Musik, Essen und Ständen. Für die Schüler:innen war es gleichzeitig Organisation, Zeitmanagement, Ernährungspraxis, wirtschaftliches Denken und Zusammenarbeit unter realen Bedingungen.
Man kann Planung unterrichten.
Oder man steht mittendrin.

